Pfarrer
Michael Welther

Pfr. Michal Welther

 

Seit 1. September 2010 gehöre ich als 2. Pfarrer zum Team der Matthäuskirche in Salzburg-West, Taxham. Ich bin verheiratet mit Doris und Vater von Aaron und Ira. Ich bin Jahrgang 1967 und wurde in Siebenbürgen, Rumänien geboren. Nach der Matura am deutschen Brukenthal-Gymnasium in Hermanstadt/Sibiu entschied ich mich im damals noch kommunistischen Rumänien 1986 zum Theologiestudium. Ich durfte die bewegten Zeiten des Umsturzes im Dezember 1989 hautnah erleben. Damals freuten wir uns über die neuen Möglichkeiten, die sich uns eröffneten, mussten aber auch mit Bedauern mit ansehen, wie unsere Heimatkirche von einem Tag auf den anderen schrumpfte.

Dank eines Stipendiums der EKD konnte ich ein Jahr in Erlangen studieren. Anschließend kehrte ich nach Siebenbürgen zurück und machte mein theologisches Examen. Bevor ich die Pfarramtsprüfung ablegte, durfte ich wertvolle Erfahrung als Vikar in der Stadtgemeinde Mediasch sammeln. 1993 siedelte ich nach Deutschland aus und arbeitete zeitweise als Hausmeister in einem Hotel. Ein Jahr später bewarb ich mich bei der Evangelischen Kirche in Österreich und wurde der Pfarrgemeinde Gaishorn in der Steiermark als Pfarramtskandidat zugeteilt.

Nach einer erfolgreichen Prüfung und der Ordination wurde ich 1996 mit der Pfarramtsleitung der Gemeinde Gaishorn betraut. In der Pfarrgemeinde war das ganze Spektrum der pfarrlichen Gemeindearbeit mein Betätigungsfeld: vom Religionsunterricht und der Konfi-Vorbereitung über die Kinder und Jugendarbeit, von den Amtshandlungen bis zu den Hausbesuchen. Außerdem war ich Gustav-Adolf-Vereinsobmann und in der Notfallseelsorge und der Krisenintervention tätig. Eine besondere Herausforderung stellte die Leitung drei großer Bauprojekte dar und die Leitung eines diakonischen Projektes in Rumänien.

Warum nach 16 erfolgreichen Jahren ein Pfarrstellenwechsel? Zum einen aus familiären Gründen und dann weil der Reiz eines Neubeginns immer ein besonderer ist. Meine Pfarrstelle hat besondere Schwerpunkte: Begleitung des Kindergartens, die Kinder- und Familienarbeit, Religionsunterricht, Öffentlichkeitsarbeit und Ökumene. Ich werde mich auch weiterhin in der Gustav-Adolf-Arbeit engagieren und als Polizeiseelsorger tätig sein.

 

Sie erreichen mich wie folgt: 0699/188 77 562 oder m.welther@matthaeuskirche.at 

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Gedanken zur Jahreslosung 2016

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Jesaja 66,13

Wer hat diese Erfahrung als Kind nicht gemacht? Ein unvorsichtiger Schritt, ein Sturz, aufgeschürfte Hände, aufgeschlagene Knie. Zuerst ein kurzer Moment des Schreckens, dann ein lautes Aufheulen, denn die Wunden brennen höllisch. Als ich klein war, nahm mich dann die Mutter in die Arme. Zuerst einmal pustete sie auf die Wunde damit das Brennen etwas nachließ, dann wischte sie die Tränen aus dem Gesicht und drückte mich fest an sich, bis der Schmerz vergessen war.

Ein Moment des Schreckens

Einmal in der Woche gab es in der Stadt nahe meinem Heimatdorf einen großen Bauernmarkt. Mutter fuhr am Markttag in die Stadt, um den begehrten Rahm von unseren Wasserbüffeln zu verkaufen und selbst einzukaufen. In den Sommerferien durften wir Kinder mitfahren. Was hab ich gestaunt über die Auslagen der Geschäfte und über die Menschenmassen, die sich durch die engen Gassen Richtung Markt schoben. Mühsam schleppte die Mutter an den schweren Einkaufstaschen. Dann mussten wir Kinder uns rechts und links an ihrem Rock oder einer der Taschen festhalten. Einmal hab ich losgelassen und bin vor irgendeinem Schaufenster stehen geblieben. Wie groß war mein Schrecken, als ich Mutter nachlaufen wollte und sie in der Menschenmenge nicht mehr ausmachen konnte! Mit kullernden Tränen und verzweifelnd schreiend bin ich vor und wieder zurückgelaufen. Wie groß war die Erleichterung, als ich aus dem Stimmengewirr plötzlich ihre Stimme erkannt habe: Hier bin ich! Komm her zu mir! Überglücklich bin ich in ihre Arme gelaufen. Die tadelnde Worte hab ich nicht gehört, nur das „Ist schon gut, ich bin da!“ mit dem sie mich zu beruhigen und zu trösten versuchte. Das Gefühl der Geborgenheit in ihren Armen hat sich tief eingegraben in mein Herz.

Tröstende Mitmenschen

Auch heute brauche ich Trost. Zum Beispiel, wenn ich frustriert bin, weil ich viel Zeit und Kraft in eine Sache investiert habe und es danach vor allem Kritik hagelt, weil Anderes vielleicht zu kurz gekommen ist. Das macht fertig. Oder wenn ich traurig bin, weil mir jede  Perspektive abhandengekommen ist oder der Schwung für neue Taten. Dann sind es gute Freunde, die mir Mut zusprechen - und vor allem meine Frau, die mich tröstet – wie eine Mutter.

Ich frage mich: trösten Mütter anders als Väter? Ich höre in meinem Alltag als Pfarrer manchmal, dass Mütter keine Zeit mehr haben, ihre Kinder zu trösten – und Väter auch nicht. Das ist bedauerlich. Ich weiß aber, dass sie das eigentlich wollen und auch können.

Ein tröstender Gott

Durch den Propheten Jesaja sagt Gott diese großartigen Worte: „Ich will euch trösten wie eine Mutter.“ Viele Bilder zur Jahreslosung zeigen Mütter, die ihr Kind tröstend im Arm halten. Die bildhafte Botschaft lautet: Gott nimmt seine Kinder in den Arm. Seine Nähe ermutigt. Seine Nähe hat er zugesagt – ganz besonders denen, die verzweifelt sind.

Im Deutschen ist das Wort „Trost“ von seinem Ursprung her verwandt mit dem Wort „treu“. Gott ist treu, wie eine Mutter, die ihrem Kind tröstend zuraunt: „Ich bin ja hier!“ Und auch wenn wir wissen, dass das Bild von der tröstenden Mutter in unserer Welt in Gefahr geraten kann, wenn wir sehen, wo Mütter bei der Sorge um ihre Kinder an ihre Grenzen kommen, bleibt doch wahr, was dieses Bild in seiner Tiefe ausdrückt über Gottes bleibende Zuwendung zu uns Menschen. Er selbst ist ja in seinem Sohn Jesus Christus, in dem Kind in der Krippe, ein Mensch geworden. Damit hat er sich ein für alle Mal mit uns in Beziehung gesetzt, ist eine unverbrüchliche Verbindung mit uns eingegangen.

Trost – ein verlässliches Versprechen

Zum Trost gehört neben der Zuwendung und Nähe auch das Versprechen, dass das Leid sich wenden wird. Die Mutter, die ihr weinendes Kind im Arm hält, kann dieses Versprechen geben, denn sie kann weiter sehen als auf das aufgeschlagene Knie. Sie weiß, dass es heilen wird, und kann darum sagen: „Es wird besser!“ Wenn wir am Beginn des neuen Jahres Gottes Verheißung hören, dann bestärkt uns das in dem Vertrauen, dass unser Leben mit ihm gut sein kann, bei ihm gut werden wird. Denn auch Gott kann weiter sehen. Gott kann weiter sehen als auf das, was wir erkennen können. Er sieht unser Leben vom Ende her, von der Vollendung, die bei ihm auf uns wartet. Und darum liegt in dem Trost, den er uns schenken will, das verlässliche Versprechen: Es wird gut sein!

So dürfen wir uns auch im neuen Jahr an die Brust Gottes schmiegen, die Geborgenheit bei ihm spüren. Wir dürfen uns von ihm an der Hand nehmen lassen und getrost führen lassen. Was auch immer geschieht, Gott wird uns trösten, wie eine Mutter tröstet.

 

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